{"id":257,"date":"2017-01-11T09:34:48","date_gmt":"2017-01-11T08:34:48","guid":{"rendered":"http:\/\/pflanzenkohle.de\/?p=257"},"modified":"2017-03-02T10:15:51","modified_gmt":"2017-03-02T09:15:51","slug":"schwarzer-schatz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/pflanzenkohle.de\/index.php\/2017\/01\/11\/schwarzer-schatz\/","title":{"rendered":"Schwarzer Schatz"},"content":{"rendered":"<p class=\"ts-intro\">&#8222;Die Erdbeerernte um \u00fcber 80 Prozent steigern? Der Botanische Garten verbessert den Boden mit einem neuen, klimafreundlichen Verfahren.&#8220;<\/p>\n<address class=\"ts-authors\">von Astrid Herbold<\/address>\n<p>&#8222;Die Bl\u00e4tter d\u00e4mpfen die Gro\u00dfstadtger\u00e4usche, es riecht nach nassem Waldboden. Der Rotbuchenwald, der die Besucher des Botanischen Gartens am Eingang K\u00f6nigin-Luise-Platz im S\u00fcdwesten Berlins empf\u00e4ngt, ragt dicht in den Himmel. Nur eine Buche am Wegrand fehlt, \u00fcbrig geblieben ist ein trauriger Stumpf. Daneben eine Informationstafel: Der Baum sei von einem holzzersetzenden Pilz befallen und sicherheitshalber gef\u00e4llt worden.<\/p>\n<p>Fr\u00fcher h\u00e4tte das Buchenholz den Botanischen Garten schnell verlassen, es w\u00e4re irgendwo zers\u00e4gt, entsorgt, verbrannt worden. Heute sieht das anders aus. Alles, was an Biomasse anf\u00e4llt, bleibt an Ort und Stelle. Seit f\u00fcnf Jahren betreibt der Botanische Garten Kreislaufwirtschaft, mit dem Ziel, sowohl Geld zu sparen als auch die eigene Kohlendioxidbilanz ma\u00dfgeblich zu verbessern.<\/p>\n<h3>Der Torf kam aus baltischen Hochmooren<\/h3>\n<p>Nur was anstellen mit 2000 Kubikmetern pflanzlichen R\u00fcckst\u00e4nden, die im Laufe eines Jahres anfallen, weil \u00c4ste geschnitten, B\u00e4ume gef\u00e4llt, Rasen gem\u00e4ht werden muss? Vor dieser Aufgabe stand das <a href=\"http:\/\/www.geo.fu-berlin.de\/geog\/fachrichtungen\/physgeog\/geooekologie\/forschung\/TerraBoGa\/index.html\" target=\"_blank\">\u201eTerraBoGa\u201c-Forschungsteam der Freien Universit\u00e4t Berlin<\/a>. Nach f\u00fcnf Jahren Arbeit wurden nun die ersten Ergebnisse vorgestellt. Konstantin Terytze, Professor f\u00fcr Geowissenschaften an der FU und wissenschaftlicher Leiter von TerraBoGa, scheut dabei keine Superlative: \u201eDas Projekt ist einzigartig.\u201c Erstmals sei es gelungen, in einer so gro\u00dfen Anlage wie dem Botanischen Garten den Kreislauf zu schlie\u00dfen. Und das \u201ein einem urbanen Umfeld, mitten in der Stadt!\u201c<\/p>\n<p>Bislang war ausgerechnet der 43 Hektar gro\u00dfe Botanische Garten mit seinen rund 22 000 Pflanzen kein Vorbild f\u00fcr Nachhaltigkeit. Der Torf, der als Grundlage f\u00fcr viele Topfpflanzungen ben\u00f6tigt wird, stammt aus Hochmooren im Baltikum. In gro\u00dfen Mengen musste er eingekauft und nach Berlin transportiert werden. Viel Geld gab der Botanische Garten au\u00dferdem f\u00fcr D\u00fcnger aus, mit dem die Pflanzen versorgt werden konnten. Der eigene Gr\u00fcnschnitt wurde wiederum von der Berliner Stadtreinigung entsorgt und gr\u00f6\u00dftenteils verbrannt. Alles in allem ergab das eine schlechte \u00d6kobilanz.<\/p>\n<h3>Bioabf\u00e4lle im Druckkochtopf<\/h3>\n<p>Die neue Strategie der Wissenschaftler beruht auf mehreren S\u00e4ulen. Zum einen wurde die Kompostierung wiederbelebt und ausgeweitet. Ein Schredder und ein Kompostwender wurden angeschafft. Nun landet der komplette Gr\u00fcnschnitt des Gartens auf dem Kompost.<\/p>\n<p>Der sperrige Rest, Strauchschnitt und Stammholz, wird zu \u201eBiokohle\u201c. So bezeichnen Experten pflanzliche Reste, die unter Sauerstoffmangel in kohliges Material umgewandelt werden. Daf\u00fcr wurde eine kleine Karbonisierungsanlage errichtet, die pro Stunde aus 20 Kilogramm geh\u00e4ckselter Frischmasse 5 Kilo Biokohle herstellt. Der Stoff gilt als wahres Wundermittel, seit Jahren wird weltweit an seiner Nutzung geforscht. Grunds\u00e4tzlich unterscheidet man zwischen zwei Herstellungsverfahren: Bei der hydrothermalen Karbonisierung (HTC) werden Bioabf\u00e4lle in einer Art Druckkochtopf zusammen mit Wasser erhitzt. Es entsteht ein Schlamm aus Braunkohlek\u00fcgelchen. Bei der Pyrolyse, die im Botanischen Garten angewendet wird, wird geh\u00e4ckselte Biomasse in einem Holzvergaser verschwelt. Die dabei entstehende Biokohle l\u00e4sst sich zur Verbesserung der Bodenqualit\u00e4t und als nat\u00fcrliches Hilfsmittel bei der Kompostierung einsetzen. Biokohle kann zudem andere Stoffe gut fixieren und ist daher ein hervorragendes Tr\u00e4ger- und Bindemittel f\u00fcr N\u00e4hrstoffe.<\/p>\n<div id=\"urban-medrect2\" class=\"ts-ad ts-right\" data-google-query-id=\"CPGKocGlgNICFc2VdwodDoYMsQ\"><\/div>\n<h3>Kohlenstoff wird gebunden &#8211; das kommt dem Klima zugute<\/h3>\n<p>Die gr\u00f6\u00dften Hoffnungen aber setzen Wissenschaftler in eine weitere Eigenschaft der Biokohle: Sie k\u00f6nnte zu einem Instrument gegen den Klimawandel werden, denn sie bindet langfristig gro\u00dfe Mengen an Kohlenstoff und entlastet damit die Atmosph\u00e4re. W\u00e4hrend des Wachstums nehmen die Pflanzen viel CO2 auf, das in Laub und Holz gebunden ist. Nach dem Absterben setzen chemische Reaktionen ein, in deren Folge Kohlendioxid wieder freigesetzt wird. Bei der Verkohlung hingegen verwandelt sich die Biomasse in eine stabile, schwer abbaubare, porenreiche Materie, die zusammen mit dem Kompost im Boden zur dauerhaften Humusbildung beitr\u00e4gt.<\/p>\n<p>Nur reichen diese Humuseffekte, um im Botanischen Garten k\u00fcnftig auf D\u00fcnger, zugekauften Kompost und den \u00f6kologisch fragw\u00fcrdigen Torf zu verzichten? Kathrin R\u00f6\u00dfler, Mitarbeiterin des TerraBoGa-Teams, berichtet von ermutigenden, wenn auch uneinheitlichen Ergebnissen bei den Freilandversuchen.<\/p>\n<h3>Die Erdbeeren gedeihen pr\u00e4chtig, der Wei\u00dfkohl hingegen bleibt cool<\/h3>\n<p>W\u00e4hrend die <em>Carica Papaya<\/em> mithilfe des Biokohlekompostsubstrats deutlich gr\u00f6\u00dfer wurde als Vergleichspflanzen, lie\u00df sich die <em>Coffea Arabica<\/em> kaum von dem neuen Untergrund beeindrucken. Der Oleander wuchs auf Biokohlekompost zwar nicht schneller, entwickelte aber deutlich mehr Knospen. Die Wei\u00dfkohlernte blieb stabil, aber die Erdbeeren explodierten f\u00f6rmlich, sobald sie auf Biokohlekompost standen: 83 Prozent Mehrertrag ma\u00dfen die Forscher. \u201eInsgesamt ergibt sich kein einheitliches Bild\u201c, res\u00fcmiert R\u00f6\u00dfler. \u201eAber wir konnten langfristige positive Wirkungen bei Bodenstruktur und Pflanzengesundheit beobachten.\u201c<\/p>\n<p>Besser waren die Ergebnisse teilweise, wenn die Biokohle mit menschlichem Urin versetzt wurde. Dieser nat\u00fcrliche D\u00fcnger f\u00e4llt im Botanischen Garten ebenfalls in gro\u00dfen Mengen an. Seit 2010 einige Sanit\u00e4ranlagen umger\u00fcstet wurden, kann er dank wasserloser Urinale und Trenntoiletten direkt aufgefangen und verwendet werden. Die Besucher bemerken davon nichts, die neuen Toiletten unterscheiden sich in Optik und Gebrauch nicht von herk\u00f6mmlichen Modellen.<\/p>\n<div id=\"urban-medrect3\" class=\"ts-ad ts-right\" data-google-query-id=\"COSToMGlgNICFUyadwod2QQBEQ\"><\/div>\n<p>Dass auch diese Biomasse nun Teil des geschlossenen Stoffkreislaufs ist, l\u00e4sst Konstantin Terytze auf vielf\u00e4ltige Anwendungen hoffen. Zwar l\u00e4uft das Projekt im Botanischen Garten in diesem Jahr aus, doch es gibt schon Interessenten. Das Konzept lie\u00dfe sich auf Parkanlagen oder st\u00e4dtische Gr\u00fcnfl\u00e4chen \u00fcbertragen, sagt der Wissenschaftler. Pflanzliche Abf\u00e4lle gibt es in der Gro\u00dfstadt genug, statt sie umherzutransportieren und au\u00dferhalb der Stadt zu entsorgen, k\u00f6nnten sie vor Ort kompostiert oder verkohlt werden.<\/p>\n<h3>Auch der Berliner Tierpark ist an dem Verfahren interessiert<\/h3>\n<p>In den n\u00e4chsten Monaten werden die Forscher ihre Ergebnisse zusammenfassen und allgemeine Handlungsanleitungen formulieren. Dann hoffen sie auf viele Nachahmer weltweit, etwa andere Botanische G\u00e4rten, Parkanlagen, Zoos. Denn wo zu dem Pflanzenschnitt auch menschliche oder tierische Exkremente hinzukommen, sind derartige Stoffkreisl\u00e4ufe finanziell und \u00f6kologisch besonders sinnvoll. Wom\u00f6glich muss Terytzes Team f\u00fcr k\u00fcnftige Kooperationen gar nicht so weit fahren. Mit dem Berliner Tierpark, der ebenfalls reichlich Biomasse entsorgen muss, sind die Wissenschaftler bereits im Gespr\u00e4ch. \u201eDie sind sehr interessiert.\u201c<\/p>\n<p>Mehr dazu auf:<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.tagesspiegel.de\/wissen\/biokohle-schwarzer-schatz\/11985686.html\" target=\"_blank\">http:\/\/www.tagesspiegel.de\/wissen\/biokohle-schwarzer-schatz\/11985686.html<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;Die Erdbeerernte um \u00fcber 80 Prozent steigern? 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