{"id":295,"date":"2017-03-02T08:13:25","date_gmt":"2017-03-02T07:13:25","guid":{"rendered":"http:\/\/pflanzenkohle.de\/?p=295"},"modified":"2017-03-02T10:02:07","modified_gmt":"2017-03-02T09:02:07","slug":"biokohle-macht-guelle-geruchsaermer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/pflanzenkohle.de\/index.php\/2017\/03\/02\/biokohle-macht-guelle-geruchsaermer\/","title":{"rendered":"Biokohle macht G\u00fclle geruchs\u00e4rmer"},"content":{"rendered":"<div class=\"autor\">Von Dr. Carola Holweg, Merzhausen<\/div>\n<div class=\"subheadline \"><\/div>\n<div class=\"artikel-introduction\">In einem Projekt auf dem Mathislehof in Buchenbach-Unteribental im Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald wurde unter anderem untersucht, inwieweit der Zusatz von Biokohle (Holzkohle) den G\u00fcllegeruch reduziert. Die Studie wurde in diesem Fr\u00fchsommer abgeschlossen. Hier die Ergebnisse.<\/div>\n<div class=\"artikel-introduction\"><\/div>\n<div class=\"content\">\n<div class=\"\">\n<div class=\"artikelBildContainer\">\n<div class=\"notPrint artikelBildUnterschrift\"><strong>Ansetzen der G\u00fcllef\u00e4sser am Mathislehof im November 2013<\/strong><\/div>\n<\/div>\n<p>Mit der\u00a0 Studie sollte der Effekt der Geruchsbindung, der f\u00fcr Aktivkohlen ja bekannt ist, genauer gepr\u00fcft werden. Dabei ging es auch um\u00a0 lokale Stoffkreisl\u00e4ufe: Verkohlung von Restmaterial aus der Landschaftspflege oder eigenem Restholz und Einsatz der Kohlen f\u00fcr nachhaltige Anwendungen vor Ort (siehe Kasten).<br \/>\nJosef Andris vom Mathislehof stellte f\u00fcr den Versuch\u00a0 Rinderg\u00fclle sowie eine von zwei Pr\u00fcf-Kohlen zur Verf\u00fcgung: Kohlereste aus dem eigenen Holzvergaser-BHKW mit Waldholzhackschnitzeln als Quelle. Als zweite Pr\u00fcf-Kohle kam Holzkohle aus gerodeten Weinst\u00f6cken zum Einsatz (Quelle: Carola\u2005Holweg, Projekt \u201eCarbo-Mob\u201d, mobile Verkohlung).<br \/>\nIm November 2013 wurden G\u00fcllef\u00e4sser mit den Biokohlen (Holzvergaser- und Weinstockkohle) in einer niedrigen und\u00a0 einer sehr hohen Dosis angesetzt. Ein Fass ohne Kohle diente als Kontrolle. Nach wenigen\u00a0 Monaten Stalllagerung wurden\u00a0 Proben f\u00fcr Blindgeruchstests entnommen. Den Testpersonen wurden zun\u00e4chst Fragen im paarweisen Probenvergleich gestellt: \u201eWelcher der beiden Becher riecht neutraler?\u201d Als n\u00e4chstes war die Geruchsintensit\u00e4t dreier Proben auf einer zehnstufigen Skala einzuordnen. So\u00a0 konnte die Reihung der G\u00fclleans\u00e4tze von \u201estark riechend\u201d nach \u201enicht riechend\u201d auch quantifiziert werden.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<div class=\"\">\n<div class=\" \">\n<div class=\"subheadline\"><\/div>\n<h2 class=\"subheadline\">Stickstoff wird gebunden<\/h2>\n<div>\n<div>Die Auswertung brachte ein eindeutiges Ergebnis: Je mehr Kohle in der G\u00fclle war, desto schw\u00e4cher\u00a0 empfanden Menschen die Ger\u00fcche aus der G\u00fclle. Schon die geringe Kohledosis reichte aus, um den G\u00fcllegeruch um 25\u201340\u2005% zu senken.\u00a0 Messungen an der TU Graz best\u00e4tigten die Unterschiede, die sich beispielsweise an geruchsstarken Komponenten wie 4-Ethylphenol und Merthylindol verdeutlichten. Die Holzvergaserkohle schien noch besser zu funktionieren als Weinstockkohle, was vielleicht mit ihrer h\u00f6heren\u00a0 Herstellungstemperatur (oberfl\u00e4chenerweiternd) zu tun hat.<br \/>\nHolzkohle hat stark adsorptive Eigenschaften und bindet dadurch viele Stoffe, darunter auch Wasser und N\u00e4hrstoffe. F\u00fcr die Landwirtschaft ist besonders die Bindung von Stickstoff in Form von Nitrat und Ammonium interessant. Die N\u00e4hrstoffe sollen dabei nicht nur gebunden und damit weniger leicht ausgewaschen werden, sondern auch\u00a0 f\u00fcr Pflanzen verf\u00fcgbar bleiben. Dies ist der Fall, wenn frisch produzierte Kohle gen\u00fcgend mit N\u00e4hrstoffen \u201eaufgeladen\u201d wurde. Kohle als Zusatz zum G\u00fcllelager oder\u00a0 als Einstreu im Stall\u00a0 erf\u00fcllt diese Voraussetzung.<br \/>\nIm Biotest mit Regenw\u00fcrmern zeigte die Mit-Verwendung von Kohle im Wirtschaftsd\u00fcnger ein interessantes Ergebnis. F\u00fcr die Tiere war Boden, dem G\u00fclle plus Kohle zugesetzt wurde, zum Teil noch attraktiver, als wenn er nur G\u00fclle enthielt. Fr\u00fchere Studien zeigten \u00e4hnliche Ergebnisse f\u00fcr Gr\u00fcnschnittkompost. Im Fall der Rinderg\u00fclle behagte den Regenw\u00fcrmern Weinstockkohle etwas mehr als Holzvergaserkohle. Offenbar reagieren die\u00a0 Tiere noch auf andere Stoffe.\u00a0 Diese k\u00f6nnten auch von der Kohle selbst herr\u00fchren. Auf das\u00a0 holzige Ausgangsmaterial hatten immerhin Brennkammertemperaturen von 350\u2013500\u2005\u00b0C (Weinstockkohle) bis 500\u2013600\u2005\u00b0C (Holzvergaserkohle) eingewirkt.<br \/>\nAuf welche Stoffe die unterschiedliche Akzeptanz zur\u00fcckgeht, ist nicht bekannt, doch wiesen die Kohleproben deutliche Gehaltsunterschiede f\u00fcr Substanzen auf, wie sie auch bei\u00a0 verbranntem Grillgut entstehen. PAK (polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe) werden nur langsam abgebaut und stehen bei vermehrter Aufnahme unter dem Verdacht, krebserregend zu sein. Deshalb gibt es Grenzwerte. Je nach Holzvergasersystem (Augenmerk auf Energiegewinn statt auf Kohleproduktion) werden hier schon mal h\u00f6here Gehalte gefunden, was auch von der Beschaffenheit und Feuchte des Ausgangsmaterials abh\u00e4ngt. Um den Boden zu sch\u00fctzen, muss also jede Kohle auf solche Stoffe hin gepr\u00fcft werden. Das Carbo-Mob-System zeigte sich hier \u00fcber viele Ausgangsmaterialien hinweg stabil und auch am Mathislehof wird die Kohlequalit\u00e4t aus dem Holzvergaser zuk\u00fcnftig noch genauer beobachtet.<br \/>\nDie nur ein Jahr verfolgten Stofffl\u00fcsse nach der G\u00fclleausbringung auf Gr\u00fcnland lassen laut dem Freiburger Institut f\u00fcr Boden\u00f6kologie keinen Schluss auf eine ver\u00e4nderte D\u00fcnger-Effizienz von G\u00fclle mit Kohlezusatz\u00a0 zu. Der jetzige Kohleauftrag\u00a0 entspricht einer Aufbringungsmenge von nur 0,08\u2005t\/ha beziehungsweise 0,4\u2005t\/ha. Bei wiederholtem Kohleauftrag und st\u00e4rkerer Einarbeitung der Kohlen in den Boden k\u00f6nnen sich andere Effekte einstellen, wie sich in anderen Biokohle-Studien zeigte.<\/div>\n<\/div>\n<div class=\"clear\"><\/div>\n<\/div>\n<div class=\" \">\n<h2 class=\"subheadline\">Und die Kosten?<\/h2>\n<div>\n<div>Die Vorteile einer Geruchsreduktion von G\u00fclle durch\u00a0\u00a0 Kohlezusatz liegen direkter auf der Hand. F\u00fcr einen Tierhaltungsbetrieb mit\u00a0 G\u00fclled\u00fcngung k\u00f6nnte dies eine\u00a0 Ma\u00dfnahme sein, um eine st\u00e4rkere Akzeptanz bei der Bev\u00f6lkerung zu erreichen. Die Anwendung selbst ist wenig aufwendig, die wirtschaftliche Seite h\u00e4ngt stark von den Kosten f\u00fcr die Kohle ab. Kohle aus dem eigenen Holzvergaser\u00a0 ist nat\u00fcrlich kosteng\u00fcnstig, jedoch eher ein Einzelfall. F\u00fcr den Zukauf von Kohle spielt der Preis eine wichtige Rolle. Wenn auch schon Kohlegaben von 4\u20138\u2005kg\/m3 G\u00fclle ausreichen, um die\u00a0 Ger\u00fcche zu reduzieren,\u00a0 so w\u00e4re bei einem Bestand von 60 Rindern und 900\u2005m3 G\u00fclle pro Jahr mit Kosten\u00a0 von mindestens\u00a0 1000 Euro j\u00e4hrlich zu rechnen. In Siedlungsn\u00e4he k\u00f6nnte die Anwendung auf ortsnahe Fl\u00e4chen beschr\u00e4nkt werden.<\/div>\n<div>Beim Zukauf sollte man\u00a0 regional hergestellte Kohle\u00a0\u00a0 bevorzugen. Wenn die Kohle zudem aus Restmaterial gemacht wurde, das f\u00fcr energetische Zwecke nicht nutzbar ist, und die Unbedenklichkeit der Kohle sicher ist,\u00a0 dann w\u00e4re die geforderte nachhaltige Anwendung von Biokohle erst richtig stimmig.<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<p>Quelle und Weiterlesen unter: <a href=\"http:\/\/www.badische-bauern-zeitung.de\/biokohle-macht-guelle-geruchsaermer\" target=\"_blank\">http:\/\/www.badische-bauern-zeitung.de\/biokohle-macht-guelle-geruchsaermer<\/a><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Dr. Carola Holweg, Merzhausen In einem Projekt auf dem [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":289,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[41,37,39,42,38,8,40],"class_list":["post-295","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-allgemein","tag-aktivkohle","tag-biokohle","tag-geruchsarm","tag-geruchsbindung-guellegeruch","tag-guelle","tag-pflanzenkohle","tag-stinken"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/pflanzenkohle.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/295","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/pflanzenkohle.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/pflanzenkohle.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/pflanzenkohle.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/pflanzenkohle.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=295"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/pflanzenkohle.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/295\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":316,"href":"https:\/\/pflanzenkohle.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/295\/revisions\/316"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/pflanzenkohle.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media\/289"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/pflanzenkohle.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=295"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/pflanzenkohle.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=295"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/pflanzenkohle.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=295"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}