{"id":364,"date":"2017-04-18T08:44:23","date_gmt":"2017-04-18T06:44:23","guid":{"rendered":"http:\/\/pflanzenkohle.de\/?p=364"},"modified":"2017-04-03T13:01:01","modified_gmt":"2017-04-03T11:01:01","slug":"mit-biokohle-gegen-den-smog","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/pflanzenkohle.de\/index.php\/2017\/04\/18\/mit-biokohle-gegen-den-smog\/","title":{"rendered":"Mit Biokohle gegen den Smog"},"content":{"rendered":"<p>Die Provinz Chiang Mai im Norden von Thailand versinkt jedes Fr\u00fchjahr wochenlang im Smog. Bauern verbrennen dann auf ihren Feldern Pflanzabf\u00e4lle und produzieren jede Menge Feinstaub. Doch es gibt eine Alternative, die auch dem Klima hilft: Aus den Abf\u00e4llen Kohle herstellen.<\/p>\n<p>Aus Chiang Mai (Thailand) Christian Mihatsch<\/p>\n<p>Das tropische Klima im Norden Thailands kennt eigentlich nur drei Jahreszeiten: die kalte und die hei\u00dfe Zeit sowie die Regenzeit. Doch f\u00fcr die Monate M\u00e4rz und April hat sich im Volksmund eine vierte Bezeichnung etabliert: die &#8222;Brandsaison&#8220;. Zu erkennen ist sie an der Luftverschmutzung. Der Himmel ist nicht blau, sondern braun-grau und viele Menschen tragen Atemschutzmasken.<\/p>\n<p>Grund f\u00fcr den Smog sind nicht etwa Stahlwerke oder Kohlekraftwerke, sondern die Landwirtschaft. Die Bauern flammen ihre Felder ab, um sie f\u00fcr die n\u00e4chste Aussaat vorzubereiten. Die Folgen dieser Art der Bewirtschaftung lassen sich dann an den Messwerten f\u00fcr Feinstaub ablesen.<\/p>\n<p>F\u00fcr Staubpartikel, die kleiner sind als 2,5 Mikrometer (PM 2,5), wurden dieses Jahr bereits Konzentrationen gemessen, die den EU-Grenzwert um das Sechsfache \u00fcbersteigen und als &#8222;sehr ungesund&#8220; gelten. Denn diese kleinen Staubpartikel gelangen bis tief in die Lunge und k\u00f6nnen sogar durch die Lungenbl\u00e4schen in die Blutbahn gelangen.<\/p>\n<p>Die Messwerte zeigen, dass das strikte Abflammverbot der thail\u00e4ndischen Beh\u00f6rden auch dieses Jahr nicht greift. Dabei wurde sogar eine Belohnung ausgesetzt: Wer illegale Feuer meldet, bekommt 5.000 Baht (136 Euro). Das entspricht dem Mindestlohn f\u00fcr 16 Tage Arbeit. Doch die Feuer lodern weiter.<\/p>\n<p>&#8222;Die Bauern haben keine andere Wahl&#8220;, sagt Michael Shafer von der Nichtregierungsorganisation Warm Heart Foundation im Distrikt Mae Chaem der Provinz Chiang Mai. &#8222;Es ist die Arme-Leute-L\u00f6sung f\u00fcr ein unm\u00f6gliches Problem: Was tun mit gro\u00dfen Mengen an Abfall, der viel Arbeit macht, keinen Marktwert hat und das Anpflanzen unm\u00f6glich macht? Sie m\u00fcssen ihn verbrennen.&#8220;<\/p>\n<h2>Pflanzenkohle aus dem \u00d6lfass<\/h2>\n<p>Dabei gehen gigantische Mengen an Reis- und Maisstroh in Flammen auf. Shafer sch\u00e4tzt, dass die knapp 50.000 Einwohner von Mae Chaem 95.000 Tonnen Pflanzenabf\u00e4lle produzieren, die jedes Jahr in Rauch aufgehen. Dabei entstehen knapp 600 Tonnen Feinstaub. Au\u00dferdem werden Ammoniak, Stickstoff, Ozon, Schwefelverbindungen und andere Smogbestandteile freigesetzt. Deshalb ist es wenig verwunderlich, dass das &#8222;gr\u00fcne&#8220; Chiang Mai von allen thail\u00e4ndischen Provinzen die h\u00f6chste Rate an Atemwegserkrankungen aufweist.<\/p>\n<p>F\u00fcr Chiang Mais Smogproblem g\u00e4be es aber eine L\u00f6sung: Biokohle, auch Pflanzenkohle genannt. Diese kann in einem einfachen Kohleofen produziert werden, der aus einem alten \u00d6lfass und einem Deckel mit Rauchabzug besteht. Der Clou: Im Rauchabzug wird der bei der Verkohlung entstehende Rauch ein zweites Mal verbrannt. Dabei gehen die Feinstaubpartikel in Flammen auf und das Resultat ist pures CO2.<\/p>\n<p>Ein Ofen bestehend aus einem 200-Liter-Fass kann mit rund 40 Kilo Pflanzenresten bef\u00fcllt werden. Innerhalb einer Stunde werden diese in zehn bis zw\u00f6lf Kilo Biokohle transformiert. Eine Familie mit drei bis vier Mitgliedern und zehn dieser \u00d6fen kann so 100 Kilo Kohle pro Stunde produzieren \u2013 ein Produkt mit einem Marktwert.<\/p>\n<h2>Biokohle kann das Klima sch\u00fctzen<\/h2>\n<p>Besser als die Kohle zu verkaufen und zu verbrennen ist aber, sie als D\u00fcnger zu nutzen. Durch die &#8222;Kohled\u00fcngung&#8220; kann der Boden Wasser und N\u00e4hrstoffe besser zur\u00fcckhalten und filtern. Dies haben sich die Indianer im Amazonasgebiet zu Nutze gemacht. Zwischen 500 vor und 1000 nach Christus haben sie den Boden systematisch mit Kohle angereichert und nachhaltige Stadtkulturen im Regenwald geschaffen. Diese Erde hei\u00dft denn auch terra preta do indio oder &#8222;indianische Schwarzerde&#8220;.<\/p>\n<p>Die Kohled\u00fcngung hat aber einen weiteren Vorteil: Der in der Biokohle enthaltene Kohlenstoff wird f\u00fcr Jahrtausende im Boden gebunden. Durch die Herstellung von Biokohle aus Pflanzenabf\u00e4llen und die anschlie\u00dfende Nutzung als D\u00fcnger wird der Atmosph\u00e4re also CO2 entzogen.<\/p>\n<p>Biokohled\u00fcnger ist eine von nur zwei Technologien, mit denen &#8222;negative Emissionen&#8220; im gro\u00dfen Stil erzielt werden k\u00f6nnen. Eine Studie im Wissenschaftsjournal Global Change Biology sch\u00e4tzt, dass der Atmosph\u00e4re j\u00e4hrlich 2,6 Milliarden Tonnen CO2 durch Biokohled\u00fcnger entzogen werden k\u00f6nnten. Das entspricht etwa den CO2-Emissionen Indiens.<\/p>\n<p>Zur\u00fcck zum Smog in Chiang Mai. Um die Biokohleproduktion anzuschieben, kauft die Warm Heart Foundation den Bauern in Mae Chaem dieses Jahr die Biokohle f\u00fcr 2.000 Baht (55 Euro) pro Tonne ab. Anschlie\u00dfend mischt sie die Biokohle mit Kompost und produziert so zwei D\u00fcngersorten. Dieser D\u00fcnger wird dann verkauft.<\/p>\n<p>Doch noch ist das Projekt zu klein, um eine messbare Verbesserung der Luftqualit\u00e4t zu erreichen. &#8222;Wir m\u00fcssen f\u00fcr den D\u00fcnger unbedingt eine gro\u00dfe Vertriebsfirma finden&#8220;, sagt Shafer. &#8222;Sonst wird das nicht funktionieren. Wir sind schlie\u00dflich nur eine kleine Nichtregierungsorganisation.&#8220;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Zum Originaltext: <a href=\"http:\/\/www.klimaretter.info\/umwelt\/hintergrund\/22915-mit-biokohle-gegen-den-smog\" target=\"_blank\">http:\/\/www.klimaretter.info<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Provinz Chiang Mai im Norden von Thailand versinkt jedes [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":365,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[67],"tags":[37,96,101,100,99,8,97,98],"class_list":["post-364","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-pflnazenkohle-medien","tag-biokohle","tag-klima-schuetzen","tag-klimaretter","tag-luftverschmutzung","tag-pflanzabfaelle","tag-pflanzenkohle","tag-smog","tag-thailand"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/pflanzenkohle.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/364","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/pflanzenkohle.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/pflanzenkohle.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/pflanzenkohle.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/pflanzenkohle.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=364"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/pflanzenkohle.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/364\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":366,"href":"https:\/\/pflanzenkohle.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/364\/revisions\/366"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/pflanzenkohle.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media\/365"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/pflanzenkohle.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=364"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/pflanzenkohle.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=364"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/pflanzenkohle.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=364"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}